Leserbrief

Leserbrief von Bodo Wittner,
erschienen in der MAZ, 7.1.2010

Das Bäketal ist schon einmal „geschliffen" worden
Wenn in der Vergangenheit schon einmal die Hoffnung aufkeimte, dass sich das Projekt „Monsterschleuse" erledigt hat, so sehen wir uns jetzt alle eines besseren belehrt. Sicher wollen wir alle einen resourcenschonenden Güterverkehr, sicher wollen wir alle auch, dass funktionierende Verkehrswege vorhanden sind, aber - muss deshalb der Teltowkanal zur Wasser-Autobahn ausgebaut werden? Hinzu kommt, dass dies dann zwar im Bereich der Machnower Schleuse eine Autobahn ist, aber der weitere Verlauf des Kanals den Charakter einer Bundesstraße 3. Ordnung annimmt. An den Engstellen wird jedem Bootsführer mit einem 190-Meter-Schubverband der Schweiß auf die Stirn treten. Von dem Irrsinn abgesehen, dass der erklärte Zielhafen - Berliner Osthafen - geschlossen wurde. Aber - wie sagte ein Verantwortlicher des Wasserstraßen-Neubauamtes - die Schleuse wird auch dann erweitert, wenn bloß ein Verband pro Woche kommt - Basta!
Die ursprüngliche Schleuse bestand nur aus zwei Kammern, zu denen im Norden eine dritte Kammer zugebaut wurde. Da die dritte Kammer aber nicht direkt in gerader Linie ein- und ausgefahren werden kann, wurden vor und hinter der Schleuse Einbuchtungen nötig, um in die Schleuse ein- bzw. auszufahren. Diese Einbuchtungen sind das eigentliche Problem bei der Erweiterung der Schleuse, da mit einer Verlängerung der Schleusenkammer auch die Rangierbuchten wachsen müssen. Der Bereich dieser Erweiterungen berührt ein Naturschutzgebiet - das Bäketal - in dem ein sehr alter Baumbestand vorhanden ist. Schon einmal wurde das Bäketal geschliffen, als aus dem Naturidyll ein Abwasser-Sammelgraben für Berliner Oberflächenwasser wurde, der sich natürlich auch als Schifffahrtskanal eignete. Was bisher geflissentlich übergangen wurde ist, dass die südliche Schleusenkammer seit vielen Jahren ohne Funktion ist, die mittlere Kammer viele Jahre, bedingt durch eine Schiffskollision und bisher zweimalige Reparatur der Schleusentore, gesperrt war, der Unterhafen der nördlichen Schleuse gerade erst ausgebaut wurde.
Warum setzt man nicht zuerst die beiden alten Schleusenkammern instand und verlängert dann eines dieser Becken um eine halbe Schleuse bis auf 190 Meter? Das hätte dann den Vorteil, dass nicht bei allen Schiffen und Schubverbänden, bei denen die Länge für die kleine Kammer nicht ausreicht, gleich die 190-Meter-Kammer genommen werden muss.
Zusätzlich könnte man durch das zweite Tor in der Schleuse den Wasserverlust der geschleusten Tonnage besser anpassen. Dadurch ständen dann insgesamt drei funktionsfähige Kammern zur Verfügung und die Eingriffe in die Natur wären fast Null.

Bodo Wittner

09.01.2010: MAZ
18.12.2009: Pressemitteilung