27.01.2010: MAZ

„Machnower See ist nicht gefährdet“
Schifffahrtsdirektion hält die Auswirkungen einer Großschleuse auf Wasserstand für minimal

Der vom Bund geplante Bau einer 190 Meter langen Kammer für die Kleinmachnower Schleuse wird nach Auffassung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost (WSD) keine negativen Folgen auf den Wasserhaushalt des Teltowkanals haben. Das betonte Christiane Mende von der WSD, Autorin des Planfeststellungsbeschlusses, am Montagabend auf einer von den Landtagsabgeordneten Andreas Bernig (Linke) und Sören Kosanke (SPD) organisierten Expertenanhörung in Kleinmachnow.

Nach einem Schleusenvorgang in dem geplanten 190-Meter-Becken werde der Pegel des Machnower Sees höchstens für kurze Zeit um einen Zentimeter gesenkt, so Mende. Die Befürchtung der Bürgerinitiative Pro Kanallandschaft, dem Machnower See drohe das gleiche Schicksal wie dem Seddiner See, dessen Spiegel um mehr als einen Meter gesunken ist, sei unbegründet.

„Der maximale Wasserverbrauch der neuen Schleuse ist deutlich geringer als der natürliche Abfluss“, sagte die Planerin. Derzeit werde außerdem von der Spree Wasser im Oberlauf abgezweigt, um die Tagebauseen in der Oberlausitz zu fluten. Sei diese Auffüllung beendet, werde wieder mehr Wasser im Teltowkanal ankommen. Langfristig müsse man sich keine Sorgen um den Wasserstand im Kanal machen.

Der Neubau der Nordkammer der Kleimachnower Schleuse ist umstritten, weil laut vorliegenden Planungen ein Uferstreifen abgetragen werden müsste – er ragt als Landnase in den Kurvenradius der Schiffe. Der Bau soll im Frühjahr beginnen.

Die jetzige Schleusenkammer sei „auf Mindestdicke abgerostet“, so Mende. Deshalb müsse so oder so ein Ersatz bau her. Die Kleinmachnower Schleuse werde nicht ausgebaut, es sei lediglich ein Ersatzbau für die marode Nordkammer geplant. Der müsse mit 190 Metern mehr als doppelt so lang wie die jetzige Anlage werden, weil man sich so das Entkoppeln der 147-Meter-Schubverbände spare – und damit auf einige Koppel- und Wartestellen verzichten könne. Damit schone man Uferbereiche, die andernfalls zusätzlich abgebaggert werden müssten. Die Großschleuse sei die umweltfreundlichste Lösung.

Damit wollte sich Winfried Lücking vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nicht zufriedengeben. Der Auseinandersetzung um den Ausbau des Sacrow-Paretzer-Kanals hätten gezeigt, dass alternative Lösungen möglich seien – dort verzichtet der Bund auf eine Verbreiterung. Der Kleinmachnower Verkehrsexperte Jens Klocksin (SPD) sprach sich für eine Wiederholung des Planfeststellungsverfahrens aus. Die Voraussetzungen hätten sich geändert. Verkehrsstaatssekretär Jörg Vogelsänger von der Landesregierung unterstrich dagegen, sein Ministerium sehe „keinerlei Anlass, das Einverständnis zurückzuziehen“. Die Binnenschifffahrt stehe in einem „knallharten Konkurrenzkampf“ mit der Straße. Mehr Schiffe auf dem Kanal seien wünschenswert, damit „weniger Lkw auf der A10“ fahren müssen, so Vogelsänger.

(Von Ulrich Wangemann)
MAZ, 27.1.2010

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