23.11.2010: MAZ



Zurück in die Zukunft

Ulrich Wangemann über Ramsauers verstörende Schleusen-Entscheidung



Ein Freudenfest wollen die Gegner der 190-Meter-Schleuse jetzt feiern. Schließlich hat Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Ausbau abgeblasen. Kein Wäldchen muss rasiert, kein Ufer abgetragen werden. Viele kritische Beobachter sind dennoch verstört. Sie spüren die intellektuelle Geringschätzung, die aus Ramsauers Federstrich spricht.
Wo sind all die Argumente geblieben, mit denen sich die Kontrahenten jahrelang beworfen haben? Man hat mit Gewissheiten jongliert, jetzt aber hat der Minister einfach die Bälle einkassiert. Was ist mit den Sachzwängen passiert, die – je nach Lager der Debattierer – klar für einen Großausbau der Nordkammer auf 190 Meter oder eben auf 115 Meter sprachen? Auf einmal soll gar nichts mehr verlängert werden! Nicht einmal die 190-Meter-Gegner wollten das, was jetzt kommt: Eine Zementierung des Zustands von 1939.
Wozu die nächtelangen Sitzungen, die Leserbriefschlachten, die Demos, wenn der Minister eine Debatte mit einem Fingerschnippen für überflüssig erklären kann?
Vielleicht übt Ramsauer auch nur für den Befreiungsschlag im Konflikt um die BBI-Flugrouten: Er könnte den Flughafen Tempelhof wieder öffnen, Tegel vor der Schließung bewahren und Schönefeld so lassen wie zu Interflug-Zeiten.
MAZ
23.11.2010

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19.11.2010: Pressemitteilung