22.11.2013: Pressemitteilung

Bürgerinitiative „pro Kanallandschaft Kleinmachnower Schleuse“
Projektgruppe im Förderverein Landschaftsschutzgebiet Buschgraben / Bäketal e.V.
BUND Brandenburg

(Pressemitteilung vom 22.11.2013)


Appell an den Landtag:
Kein weiterer Schleusenausbau in Kleinmachnow

Vor dem Hintergrund der heutigen Sitzung des Brandenburger Landtags zum Ausbau der Schleusen
Kleinmachnow und Fürstenwalde appellieren die Bürgerinitiative „pro Kanallandschaft Kleinmachnower
Schleuse“ und der BUND an die Vertreter des Landtags, sich gegen jegliche weiteren Ausbaupläne für die
Kleinmachnower Schleuse auszusprechen.
Der Ausbau der Kleinmachnower Schleuse auf 130m Länge würde massive Eingriffe in die Uferlandschaft zur
Folge haben, vor allem am naturgeschützten westlichen Norduferbereich. Auf einer Länge von mehreren
Hundert Metern würden Uferabgrabungen erforderlich, verbunden mit Schädigungen des dahinterliegenden
naturgeschützten Waldbestands durch Querbohrungen zur Verankerung der Spundwände und erheblichem
Baustellenverkehr.
„Nicht nachvollziehbar ist das Argument der Ausbaulobby, dass ein Verkehrsverlagerungspotenzial von 5,5
Mio t pro Jahr nur durch einen 130m-Ausbau der Schleuse gehoben werden könne. Vielmehr hat die
Kleinmachnower Schleuse in ihrer jetzigen Größe lt. PLANCO Studie 2007 eine Schleusungskapazität von 8,9
Mio. Gütertonnen p. a.. Mit einem jährlichen Transportvolumen von 0,9 Mio Gütertonnen ist sie derzeit nur zu
ca. 10% ausgelastet und könnte sogar ca. eine Verzehnfachung des derzeitigen Transportaufkommens
verkraften. Unsere BI würde eine Verkehrsverlagerung auf das umweltfreundliche Transportmittel des
Binnenschiffs sehr begrüßen, allerdings sehen aktuelle Prognosen kein signifikantes Wachstum für diesen
Verkehrsträger voraus“, so Frau Dr. Theiler Sprecherin der Bürgerinitiative.
„Die Schleuse Kleinmachnow hat mit ihrer jetzigen Kammerlänge die ausreichende Größe, um die auf dem
Teltowkanal zugelassenen Schiffe der Wasserstraßenklasse IV (bis 85m) zu schleusen. Mit einem Ausbau auf
130m Länge würde die Schleuse für 110m lange Großcontainerschiffe (Wasserstraßenklasse V) passierbar,
welche jedoch auf dieser Strecke nicht zugelassen sind und auf diesem Weg auch nicht weiter nach Osten
fahren können. Der 130m-Ausbau wäre daher ökonomisch völlig unsinnig“, Winfried Lücking Flussexperte
BUND.
„Die Kleinmachnower Schleuse ist eine der wenigen Schleusen in Deutschland mit drei parallelen
Schleusenkammern, von denen zwei genutzt werden. Sie ermöglicht grundsätzlich ein flexibles und schnelles
Schleusen. Für das Schleusen der auf dem Teltowkanal zugelassenen Schubverbände (bis zu 95m Länge)
können gleichzeitig die Mittel- und Nordkammer genutzt werden. Für sie ergibt sich ein erheblicher Zeitvorteil
von ca. 1,5 Stunden gegenüber Schleusen mit nur einer Schleusenkammer, da aufwendige Koppelmanöver
und ein mehrmaliges Hin- und Herfahren durch die Schleuse entfallen“, so Frau Dr. Theiler.
Die BI als auch der BUND appellieren an alle Ausbau-Befürworter, dass es darum gehen muss, die Schiffe
und Logistikkonzepte an die bestehenden Wasserwege anzupassen, anstatt permanent kostenintensive,
ökonomisch nicht zu rechtfertigende und naturschädigende weitere Ausbauten der Wasserstraßen zu fordern.
Gegen den 130m-Schleusenausbau aus privater Hand sprechen nach unserem Kenntnisstand zudem
erhebliche rechtliche Bedenken. Nicht klar ist bei dem Konzept weiterhin, wie der Neubau finanziert und wie
Unterhalt und Funktionsfähigkeit der privatisierten Schleuse langfristig gesichert werden sollen. Der Beschluss
des Bundesverkehrsministers vom November 2010, auf einen weiteren Ausbau der Nordkammer zu verzichten
und eine Sanierung der Schleuse vorzusehen, wird aus Aspekten des Naturschutzes und der ökonomischen
Vernunft vollkommen unterstützt.

Ansprechpartner der Bürgerinitiative: Dr. Ursula Theiler
Winfried Lücking BUND

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