18.02.2011: MAZ



Weitere Klagen gegen Ramsauer-Entscheidung

Hafen und Stadt Königs Wusterhausen fordern den Ausbau der Kleinmachnower Schleuse



KLEINMACHNOW/POTSDAM - Die Befürworter des Ausbaus der Kleinmachnower Schleuse haben Verstärkung erhalten. Die Stadt Königs Wusterhausen und deren Hafengesellschaft „Lutra“ haben Klage gegen den Aufhebungsbeschluss für den Ersatzneubau der Schleuse eingereicht. Diesen Schritt hatte vor wenigen Wochen bereits das Land Brandenburg getan.
Wie berichtet, hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der Schleuse auf 190 Meter im November des vergangenen Jahres überraschend gekippt. Nach seinen Vorstellungen soll das Bauwerk mit einer Kammerlänge von derzeit 87 Metern nur noch saniert werden. Gegen Ramsauers Beschluss richten sich nun die Klagen.
Der Binnenschifffahrtsverkehr in den Ländern Berlin und Brandenburg werde durch den Verzicht auf den Schleusenausbau in Kleinmachnow „zur Bedeutungslosigkeit degradiert“, sagte gestern der Chef der Hafengesellschaft Königs Wusterhausen, Reinhard Schuster, bei einer Veranstaltung der Initiative „Weitblick – Binnenschifffahrt Plus“ in Potsdam.
Der Initiative hat sich auch der Energieversorger Vattenfall Europe AG angeschlossen. Dessen Generalbevollmächtigter für Berlin, Rainer Knauber, kündigte an, dass nach der Umstellung des Kohlekraftwerks Klingenberg in Berlin rund 1,4 Millionen Tonnen Biomasse pro Jahr per Schiff herantransportiert werden müssten. „Dafür brauchen wir den Teltowkanal und eine ausgebaute Schleuse“, so Knauber.
Damit hätten die Befürworter der Groß-Schleuse „die Katze aus dem Sack gelassen“, reagierte gestern die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Grüne). Es ginge ihnen langfristig um den Ausbau des Kanals, obwohl dies immer bestritten worden wäre. Man könne aber „ein höheres Verkehrsaufkommen auf den ostdeutschen Flüssen und Kanälen nicht herbeibauen“, so Behm.
Auch der Landtagsabgeordnete Andreas Bernig (Linke) hält eine Sanierung der Schleuse für ausreichend. Es gebe keine signifikante Verlagerung von Transporten von Straße und Schiene auf die Wasserwege. Laut der Bürgerinitiative „Pro Kanallandschaft“, die sich seit Jahren gegen den Schleusenausbau engagiert, ist die Kleinmachnower Schleuse nur zu zwölf Prozent ausgelastet. Lediglich fünf Güterschiffe pro Tag würden passieren, „davon nicht einmal ein Schubverband von 125 Meter Länge pro Woche“. Die Schleuse sei „kein Nadelöhr“ auf dem Weg nach Osten, weil große Schiffe die Berliner Nordumfahrung nutzen könnten.

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18.2.2011

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