15.02.2011: MAZ



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Geplante Kürzung in der Schifffahrt sorgt für Aufregung / Königs Wusterhausen wählt Klageweg


Der Binnenhafen in Königs Wusterhausen

KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Die Idylle im Hafen Königs Wusterhausen trügt. Hier ist die Verärgerung groß über die Pläne von Bundes-Verkehrsminister Peter Ramsauer, den Ausbau der Wasserstraßen im Osten wegen des mangelndes Schiffsverkehrs zu drosseln. Nach dem ersten Schock formiert sich der Protest. Der Binnenhafen und die Stadt Königs Wusterhausen gehen jetzt sogar den rechtlichen Weg.
Beide haben gemeinsam – wie schon das Land Brandenburg – gegen den Stopp des geplanten Ausbaus der Schleuse in Kleinmachnow Klage erhoben. Bürgermeister Lutz Franzke gestern gegenüber MAZ: „Wir haben gerade die Klage unterschrieben.“ Der Stopp soll zurückgenommen werden. Die Schleuse in Kleinmachnow gilt in der Branche als ein Nadelöhr, weil künftig größere Schiffe schneller durchgeschleust werden sollten. Davon hänge die Zukunft der Binnenschifffahrt in der Region ab.
Das sehen Naturschützer anders. Winfried Lücking vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält eine Vergrößerung der Schleuse für überflüssig. Auch der Ausbau des Binnenhafens in Königs Wusterhausen sei rausgeworfenes Geld. „Ich sehe im Moment keine steigende Transportraten.“ Holzschnitzel für Biomasseanlagen werden auch anderswo verarbeitet. Warum sollten sie, so Lücking, ausgerechnet nach Königs Wusterhausen gebracht werden? Er stütze sich auf Prognosen für Brandenburg. Lücking: „Künftig wird es hier nicht mehr Verkehr geben.“ Außerdem sei Fakt: Ein Lkw fährt in einer einzigen Nacht von Berlin nach Hamburg, ein Schiff braucht drei Tage.
Für den Königs-Wusterhausener Bürgermeister geht es nicht nur um „seinen“ Hafen oder die Schleuse in Kleinmachnow. „Es wäre doch Unsinn, auf die umweltfreundliche Binnenschifffahrt zu verzichten“, meint er.
Im Brandenburger Infrastrukturministerium wird davon gesprochen, dass mit der Kürzung des Geldes der Osten abgehängt wird. Sprecher Jens-Uwe Schade: „Da kann man ja eine Glocke über Brandenburg stülpen und Museum drauf schreiben.“ Jetzt werden, so Schade, die Weichen für die nächsten 80 bis 100 Jahre gestellt.
Für den Ausbau der Schleuse in Kleinmachnow hat sich ein Bündnis gebildet. Es will sich am Donnerstag in Potsdam mit Partnern vorstellen. Die Stadt Königs Wusterhausen wird auch vertreten sein.

(Von Liane Stephan)
MAZ
15.2.2011

18.02.2011: MAZ
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