14.09.2009: MAZ



Umwelt Diskussion mit Abgeordneten über Entwicklung am Teltowkanal / Bürger fordern touristische Erschließung der Uferzone


Studiert man Wahlplakate, dann erfährt man, dass nur „Grün“ aus der Krise hilft, die „roten“ Parteien die Sache kraftvoll, sozial und gerecht angehen wollen und die CDU optimistisch davon überzeugt ist „Wir haben die Kraft.“
Wie erfreulich, wenn zumindest auf kommunaler Ebene ein derart geballtes Potenzial in ein und dieselbe Richtung zielt. So geschehen auf einer Diskussionsveranstaltung am Freitagabend im Kleinmachnower Rathaussaal.
Eingeladen hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Kooperation mit dem „Förderverein Landschaftsschutzgebiet Buschgraben/Bäketal“, der sich besonders der Pflege und Entwicklung des regionalen Landschaftsraumes verschrieben hat.
Etwa 50 engagierte Bürger, die meisten im Seniorenalter, nahmen die Gelegenheit wahr, zu hören, was bekannte Politiker und Wahlkampfkandidaten wie Cornelia Behm (B´90/ Die Grünen), Gerhard Enser (CDU), Sören Kosanke (SPD) und Klaus-Jürgen Warnick (Die Linke), fachlich unterstützt von BUND-Fachgebietsleiter Gewässer und Binnenschifffahrt, Biologe Winfried Lücking, über Wege zur Lösung heißer regionaler Probleme zu sagen haben.
Klug und sachkundig moderiert vom Fördervereinsvorsitzenden Gerhard Casperson, kamen dann auch kritische Fragen und zukunftsweisende, durchaus wahlkampftaugliche Antworten auf den Tisch. Sie fielen erstaunlich einvernehmlich aus. Neuansiedlungen dürfen nicht auf Kosten der grünen Lunge erfolgen. Wilde Bodenversiegelungen darf es nicht geben. Die Regionalplanung orientiert auf Neubau vorwiegend in Innenbereichen der Kommunen und legt Wert auf Ansiedlung arbeitsplatzschaffender innovativer Unternehmen. Langfristig geht es um Fusion der drei Gemeinden. Dazu sei notwendig, Egoismen kommunaler Politiker zu überwinden. Die Bürger dürften sich vom Nutzen der Fusion besser überzeugen lassen, wenn zunächst einmal ein Mittelzentrum „in Funktionsteilung zwischen Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow“ zustande käme.
Die Erweiterung der Machnower Schleuse auf 190 Meter sei nach Schließung des Osthafens und Verzicht auf den Ausbau des Teltowkanals für Riesenschiffe in Berlin sinnlose GELDVERSCHWENDUNG, da pro Woche nur etwa ein Schubverband die Schleuse passieren dürfte. Ganz abgesehen davon, dass die Bürger die mit der Schleusenerweiterung verbundenen starken Eingriffe in die Uferregion des Machnower Sees und in den Park unterhalb der historischen Hakeburg nicht hinnehmen wollen, sich vielmehr mit Recht vehement für die touristische Erschließung der Teltowkanal-Uferzone überhaupt aussprechen.
Wasserwirtschaftlich denke niemand an die Wiederbelebung der früheren Rieselfelder, aber es müsse dafür gesorgt werden, dass städtisches Regenwasser und gereinigte Abwässer der Kläranlagen konsequent in die vorhandenen Grabensysteme und nicht in die Flüsse geleitet wird.
Des Öfteren brandete Beifall auf. Besonders aus dem Publikum heraus gab es allerdings harsche Kritik an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als ehemaligen Umweltminister und an Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD). In „Arroganz der Macht“ würden kritische Briefe von Bürgerinitiativen an die Landesregierung gar nicht erst beantwortet.
Als dann die offenbar jüngste Teilnehmerin des Diskussionsforums zum Mikrofon griff und in Zusammenhang mit Jugendabwanderung das Thema „Bildungspolitik“ anschnitt, gingen die Wogen zwischen Lehrermangel, Klassenfrequenzen, frühzeitiger Auslese oder langzeitigem, differenzierten gemeinsamen Lernen richtig hoch.

Armin Klein
MAZ, 14.9.2009

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