13.12.2008: MAZ



WASSERWEGE: Brief an die Kanzlerin

Kritiker des Schleusenausbaus formieren sich zur „großen Koalition“

REGION TELTOW - Der geplante Ausbau von Teltowkanal und Kleinmachnower Schleuse wird nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschäftigen. Sie ist neben Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) Adressatin eines „Appels an die Vernunft“, den zahlreiche Politiker, Repräsentanten von Institutionen und Unternehmen sowie Privatleute aus der Region Teltow unterzeichnet haben. Darin werden Bundes- und Landesregierung aufgefordert, auf den Ausbau der Schleusenkammer auf 190 Meter zu verzichten und den maroden Teltowkanal endlich zu sanieren.

„Unser Appell richtet sich nicht gegen die Binnenschifffahrt“, sagte der Landtagsabgeordnete Jens Klocksin (SPD) gestern bei der Vorstellung des Briefes an Merkel und Tiefensee. Die Ausbaupläne seien aber nicht angemessen. „Der geringe Schiffsverkehr auf dem Kanal kann Ausgaben von rund 50 Millionen Euro für den Ausbau der Schleuse nicht rechtfertigen.“





Kulturerbe bedroht

Auch die Bundestagsabgeordneten Katharina Reiche (CDU), Cornelia Behm (Grüne) und Andrea Wicklein (SPD) haben sich dem Appell angeschlossen. Reiche erinnerte gestern daran, dass der geplante Ausbau von Havel und Teltowkanal auch das Potsdamer Kulturerbe bedrohe. „Was hier geplant wird, ist unangemessen“, sagte die CDU-Politikerin.

Ein „vorsichtiges Umdenken“ bei der Bundesregierung hat Cornelia Behm registriert. So stünden Schleuse und Teltowkanal nicht auf der Liste der Verkehrsprojekte, die im Rahmen des Konjunkturprogramms gefördert werden. „Jetzt brauchen wir eine politische Entscheidung, wie es hier weitergehen soll.“

Für die Region Teltow habe die Hinhaltetaktik von Bund und Land mittlerweile zu einer „elenden Situation“ geführt, so der SPD-Politiker Klocksin.

Es gebe Pläne, die Teltowkanalaue mit Rad- und Wanderwegen auszustatten und für den Tourismus aufzuwerten. „Das alles liegt auf Eis, weil die Entscheidung zur Sanierung des Kanals hinausgeschoben wird.“







Unrentables Parallelangebot

Als Vertreter der Anliegerkommunen forderte Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) ein Umdenken. „Der Bedarf für die Riesenschleuse ist nicht da.“ Es sei viel wichtiger, bestehende Verkehrsträger wie die Schiene zu fördern und auszulasten, als ein unnötiges Parallelangebot zu schaffen, „das beim Gütertransport nicht mithalten kann“.

Die Initiatoren des Appells wollen weiter Unterschriften gegen das Wasserstraßenprojekt sammeln und damit den Druck auf Bundes- und Landesregierung erhöhen. (Von Jürgen Stich)

08.04.2009: Regional Rundschau
13.12.2008: ND