13.03.2009: Bringt Bio mehr Verkehr?

Kleinmachnow - Der Machnower Schleuse wird eine zentrale Bedeutung in der Berliner Energieversorgung zugemessen. Sie soll zukünftig mehr und größere Schiffe denn je bewältigen, erklärte der Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin, Rolf Dietrich, gestern gegenüber den PNN. Auch angesichts der Pläne des Energiekonzerns Vattenfall, vom Ausbau seiner Berliner Kohlekraftwerke abzusehen, verteidigte Dietrich den Neubau der Schleuse. Statt Kohle müsse in Zukunft Biomasse in großen Mengen über den Teltowkanal zu den Berliner Kraftwerken geliefert werden. Sie sollen künftig zum Beispiel mit Holz heizen. Indes sehen Umweltschützer und Kritiker des geplanten Ausbaus die Debatte um die Schleuse neu belebt.
Schon seit Jahren ist der geplante Schleusenausbau auf 185 Metern Länge in der Region heftig umstritten. Das Bauvorhaben ist Teil des 1991 initiierten Verkehrsprojektes „Deutsche Einheit Nr. 17“, welches die Passage von riesigen Schubverbänden und Güterschiffen auf Elbe und Havel ermöglichen soll. Befürworter – wie die Binnenschifffahrt – sehen die Leistungsfähigkeit des Teltowkanals nicht ausgeschöpft, da sein Zustand nur eine geringe Abladetiefe zulässt. Gegner eines Ausbaus befürchten derweil irreparable Eingriffe in Natur und Landschaft. Sie zweifeln an den erwarteten Verkehrsprognosen und halten den 50 Millionen teuren Neubau für volkswirtschaftlichen Unsinn. Ende vergangenen Jahres hatten sich eine Vielzahl von Politikern und Umweltschützern dem Bündnis „Appell an die Vernunft“ angeschlossen. Sie fordern einen deutlich kleineren Ausbau auf 115 Metern Länge. Bislang ist die Machnower Schleuse 80 Meter lang.
Für den Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Dietrich ist die Schleuse derzeit deutlich zu klein: „Wir müssen heute drei Stunden schleusen, um einen großen Frachter durch Kleinmachnow zu bringen“, erklärte er. Sie werden dazu in drei Teile zerlegt. Sollten die Berliner Heizkraftwerke am Teltowkanal zukünftig mit Biomasse betrieben werden, würde die Wasserstraße stärker in Anspruch genommen werden. Bisher wurde die Braunkohle aus der Lausitz per Bahn zu den Kraftwerken, zum Beispiel in Rummelsburg und Lichterfelde, geliefert. Der Umstieg auf Biomasse erhöhe jedoch das Frachtvolumen. Eine Chance für die Schifffahrt, die dann kostengünstig, schadstoffarm und lärmfrei transportieren könne. Sollte das Angebot angenommen werden, könnte die Kleinmachnower Schleuse schnell an ihre Leistungsgrenze stoßen, sagte Dietrich. Bereits von 2003 bis 2007 habe es eine Verdreifachung des Güterdurchgangs an der Schleuse gegeben. Im Jahr 2008 wurden knapp eine Million Gütertonnen durch Kleinmachnow geschleust. Dabei sei besonders der Trend zu übergroßen Schiffen deutlich geworden. Deren Zahl habe sich verdoppelt, so Dietrich.
Dennoch sei das kein Grund für den vom Wasserstraßenamt geplanten Großausbau, sagte gestern Wilfried Lücking, Flussexperte des Bundes für Natur und Umwelt. „Die Schleuse ist bereits heute nicht ausgelastet“, so Lücking. Er plädiert für einen modifizierten Ausbau. Gerade der Rückzug des Energiekonzerns von der Kohleverstromung eröffne die Möglichkeit, über die Energieversorgung Berlins neu nachzudenken. Das schließe die Transportwege ein, sagte Lücking. Schließlich wolle Vattenfall Berlin künftig dezentral versorgen. Großkraftwerke, die riesige Mengen Brennstoff benötigen, könnten der Vergangenheit angehören. Die Schleuse wäre überdimensioniert.
Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein kritisierte den geplanten Ausbau vor dem Hintergrund der Vattenfall-Entscheidung als ungerechtfertigt. Auf Landesebene mahnte die Abgeordnete Anita Tack (Die Linke), den Ausbau zu überdenken. Nachdem das Wasserstraßen-Neubauamt den Beginn der Bauarbeiten an der Schleuse bereits für dieses Jahr angekündigt hat, forderte Tack die Landesregierung in einer parlamentarischen Anfrage auf, den überdimensionierten Ausbau zu stoppen. Eine Antwort steht aus.

Tobias Reichelt
pnn, 13.3.2009

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