11.07.2015: pnn

Da kann mehr durch

Bürgerinitiative will gegen Ausbau in Kleinmachnow kämpfen. Geforderte Frachten würden schon jetzt durch die Schleuse passen

Kleinmachnow - Zu dritt stehen sie auf der Brücke über der Kleinmachnower Schleuse und zählen die Minuten. Ein Tankschiff manövrierte sich kurz zuvor in die nördlichste der drei Schleusenkammern. „Die Schleusentore sind zu, jetzt geht’s los“, sagt Ursula Theiler, Sprecherin der Bürgerinitiative „pro Kanallandschaft Kleinmachnower Schleuse“. Winfried Lücking lehnt gelassen am Geländer und schaut beinahe ebenso gebannt auf die Schleusenkammer wie die zahlreichen Touristen, die sich mittlerweile auf der Brücke versammelt haben. Er kennt das Schauspiel. Lücking war jahrelang Gewässerexperte im Flussbüro der Naturschutzorganisation BUND, kennt sich also bestens mit Schiffen, Binnenwasserstraßen und natürlich Schleusen aus. Mittlerweile ist er im Ruhestand, steht der Initiative aber beratend zur Seite.

Langsam sinkt das Schiff samt Wasser im Becken knapp drei Meter nach unten. An den westlichen Schleusentoren rauscht und blubbert das Wasser, die Tore öffnen sich. „Wie lange hat das jetzt gedauert?“, fragt Ursula Theiler. Lücking schaut auf die Uhr: „Hm, 15, vielleicht 20 Minuten.“ Die Zeit des Schleusens ist eines der Hauptargumente der Initiative, die sich gegen einen geplanten Ausbau auf 130 Metern Länge einsetzt. Die Befürworter wie Dietmar Raschmann vom Verein „Weitblick“ argumentieren, dass größere Schubverbände bis zu einer Länge von 124 Metern aufwendige Koppelmanöver durchführen müssen, da die längste Schleusenkammer nur 85 Meter lang ist. Das habe im Ergebnis Schleusenzeiten bis zu drei Stunden zur Folge, so Raschmann.

„Das ist totaler Quatsch“, meint Winfried Lücking. Ein Schubverband mit drei Leichtern – antriebslosen Behältern für Fracht – könne in Kleinmachnow parallel geschleust werden. „Insgesamt dauert solch ein Kopplungs- und Schleusungsvorgang rund 45 Minuten“, sagt Ursula Theiler. Das sei der Vorteil der drei Schleusenkammern. Währenddessen könnten Sport- und Freizeitboote die südliche Kammer passieren, die derzeit nicht genutzt wird. Erst dann wäre die Kleinmachnower Schleuse auch ausgelastet, meinen die Ausbaugegner. „Wenn hier so viel geschleust werden würde, wie es möglich ist, dann wäre hier richtig was los“, sagt Winfried Lücking und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Derzeit liegt die Auslastung bei rund 15 Prozent“, sagt Theiler. Das seien etwas mehr als eine Million Tonnen Güteraufkommen pro Jahr. Die Ausbaubefürworter um den „Weitblick“-Vorsitzenden Raschmann fordern eine Erhöhung des Güteraufkommens in Kleinmachnow von mehr als vier Millionen Tonnen im Jahr. „Das ist ohne Weiteres in Kleinmachnow machbar, ohne die Schleuse zu vergrößern“, meint Gerhard Casperson, Biologe und Umweltschützer. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat er sich vehement gegen die damaligen Ausbaupläne eingesetzt. Als einer der Ersten organisierte er gemeinsam mit Weggefährten den Protest in Kleinmachnow. Laut eines Gutachtens, das die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes 2007 in Auftrag gegeben hatte, verkraftet die Kleinmachnower Schleuse sogar 8,9 Millionen Tonnen im Jahr. Mehr als doppelt so viel, wie von den Ausbaubefürwortern gefordert.

Nach Jahren des Aufruhrs ist der ursprünglich geplante massive Schleusenausbau auf 190 Metern vom Tisch. Doch die brandenburgische Landesregierung fordert nach wie vor 130 Meter in Kleinmachnow, obwohl der wirtschaftliche Nutzen fraglich ist. Derzeit hat der Teltowkanal die Wasserstraßenklasse IV. Befahren dürfen ihn Motorschiffe mit einer Maximallänge von 85 Metern. Gefordert wird, auch von den Industrie- und Handelskammern im Land, dass künftig Großmotorschiffe bis 110 Meter Länge den Kanal befahren können. Das erfordere die Neuklassifizierung der Wasserstraße auf Klasse V. „Das wäre eine Investition in eine Sackgasse“, sagt Theiler. Denn im weiteren Verlauf nach Osten reduzierten sich die Durchfahrtsmöglichkeiten für Schiffe auf Wasserstraßenklasse III.

In einem Punkt sind sich Gegner und Befürworter jedoch einig: Sie unterstützen die Binnenschifffahrt als ökonomisches und ökologisches Transportmittel. Doch spätestens wenn der Verein „Weitblick“ seine neue Ausbaupläne präsentiert, will die Initiative wieder mit Fakten dagegen ankämpfen.

von Björn Stelley
pnn
11.7.2015
http://www.pnn.de/pm/986015/

17.03.2015: rbb
01.07.2015: pnn