10.11.2011: pnn

20 Jahre Landschaftsschutzverein Bäketal: Gründungsmitglied Gerhard Casperson zieht eine positive Bilanz
Kleinmachnow - 20 Jahre ehrenamtliche Arbeit haben sich gelohnt: „Die Kleinmachnower Schleuse wird nicht ausgebaut, das ist unser größter Erfolg“, sagte Gerhard Casperson bei der Feier zum 20-jährigen Jubiläum des Fördervereins „Landschaftsschutzgebiet Buschgraben/Bäketal“. Das Bundesverkehrsministerium hatte vor knapp einem Jahr entschieden, dass die Schleuse lediglich instand gesetzt, nicht aber erweitert wird. „Auch als einfacher Bürger lässt sich also einiges erreichen“, freute sich Casperson am Dienstagabend.
Der von ihm mitinitiierte Förderverein war am 16. Oktober 1991 gegründet worden. Schon kurz nach dem Fall der Mauer, hatten Zehlendorfer Umweltschützer die Kleinmachnower davor gewarnt, große Teile der Naturlandschaft an der Bäke als Baugebiet auszuschreiben. Das Sumpfgebiet im Erlenweg hatte 30 Jahre lang im Niemandsland der Grenze gelegen; in dieser Zeit hatte sich dort eine besondere Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten ungestört entwickeln können.

Dem Verein gelang es, das Biotop unter Schutz zu stellen, auch Weinberg, Grothepfuhl und die gesamte Parforceheide wurden auf Initiative des Fördervereins zwischen 1995 und 1997 als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Die dazu nötigen Gutachten erstellte der Biologe Casperson zusammen mit der „Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung Teltow“.
Komplizierter war da der Kampf um den Erhalt der Schleusenlandschaft: Seit 1991 sah der Bundesverkehrswegeplan „Deutsche Einheit 17“ vor, den Teltowkanal auszubauen und die nördliche Schleusenkammer von 85 auf 190 Meter zu verlängern. Mit zahlreichen Großdemos wehrten sich die Kleinmachnower erfolgreich gegen das 48 Millionen teure Projekt. Doch auch, nachdem das Bundesverkehrsministerium den bereits gültigen Planfeststellungsbeschluss aufgehoben hat, hält man den Ausbau im brandenburgischen Verkehrsministerium weiterhin für wirtschaftlich sinnvoll.
Im Umweltministerium des Landes bewertet man den Fall offenbar anders: Im September verlieh Umweltministerin Anita Tack (Linke) den Brandenburger Umweltpreis an Ursula Theiler, die mit der Bürgerinitiative „pro Kanallandschaft Kleinmachnower Schleuse“ ebenfalls jahrelang vehement gegen den Ausbau gekämpft hat.
Genug zu tun hätten beide Vereine in Zukunft auch ohne den drohenden Schleusenausbau, wie es am Dienstagabend hieß: So müssten etwa das Teltowkanalufer gepflegt und auf Teltower Gebiet vor einer aggressiven Bebauung geschützt werden. „Auch die teilweise 700 Jahre alten Eichen am Weinberg benötigten dringend unsere Hilfe“, sagte Casperson im Hinblick auf die kürzlich im Verwaltungsauftrag unsachgemäß abgesägten Äste.
Für Gemeindevertreterin Barbara Sahlmann (Grüne), ebenfalls im Förderverein engagiert, gibt es noch ein Problem: Im Landschaftsschutzgebiet hinter der alten Dorfkirche seien Hunderte Bäume in Gefahr. Dort will die Evangelische Kirchengemeinde Kleinmachnow eine neue Kirche bauen (PNN berichteten). Sie sei enttäuscht, dass das Thema am Dienstag nicht angesprochen worden sei. „Die Position des Vereins zum Neubau der Kirche bringt mich dazu, über einen Austritt nachzudenken“, so Sahlmann. Casperson befürworte als Mitglied des Gemeindekirchenrats den Bau. Zu Sahlmanns Vorwürfen äußern wollte er sich gestern nicht: „Die Sache ist noch nicht spruchreif.“ Intern sei im Förderverein über die Frage ausgiebig diskutiert worden. „Die unterschiedlichen Haltungen zum Kirchenneubau sollten die gemeinsamen Ziele nicht beeinträchtigen“, so Casperson.

von Ariane Lemme
pnn
10.11.2011

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